Dr. Nadine Oberste-Hetbleck


Dr. Nadine Oberste-Hetbleck hat nach ihrem Studium der Kunstgeschichte, Medien- und Erziehungswissenschaften interdisziplinär im Bereich Kunstgeschichte und Marketing an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf promoviert. Bereits während des Studiums war sie Volontärin im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich. Danach folgten Stationen in der Galerie Ludorff als Galerie-Assistenz sowie die Projektkoordination im Forschungsprojekt ART-RESEARCH an der Heinrich-Heine-Universität. Zuletzt war Dr. Nadine Oberste-Hetbleck als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstgeschichte sowie am Lehrstuhl für BWL, insbesondere Marketing an der Heinrich-Heine-Universität tätig und hat Lehrveranstaltungen und Besucherbefragungen in Kooperation mit zahlreichen Kultureinrichtungen im Rheinland verantwortet. Gerade erhielt sie den Ruf auf die W1-Professur für Kunstgeschichte und Kunstmarkt am Kunsthistorischen Institut der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln.

1. Liebe Nadine, als wissenschaftliche Mitarbeiterin zunächst am Lehrstuhl für Kunstgeschichte und später für BWL, insbesondere Marketing, hast Du mit beiden Disziplinen gearbeitet. Was ist aus Deiner Sicht entscheidend für angehende Kulturschaffende, um erfolgreiche Kulturarbeit machen zu können?
Kulturschaffende sollten meiner Meinung nach neben fundierten fachlichen Kenntnissen (z.B. Studium der Kunstgeschichte) auch zumindest ein Grundverständnis für die Denkhaltung des Kulturmarketing haben und nicht den Vorurteilen erliegen, dass Marketing lediglich Werbung und Vertrieb bedeutet. Ich erachte interdisziplinäre Ansätze in der Wissenschaft für sehr wertvoll und halte den Blick über den Tellerrand auch in der Praxis für produktiv.

Mich fasziniert immer wieder die immense Kraft des Zusammenklangs von Musik, Ausdruck, Tanz, Bühnenbild und Kostüm.

2. An welchem Ort hattest Du Dein bislang schönstes Kulturerlebnis, das Dich nachhaltig geprägt hat, und warum?
Erfreulicherweise hatte ich bereits vielfältige Kulturerlebnisse, die sämtlich besondere Erinnerungen hinterlassen haben. Deshalb ist es schwierig, ein Einzelnes herauszugreifen. Um jedoch eins zu nennen, welches ich jüngst erlebt habe: Vor kurzem war ich in b.17, einem Ballett choreografiert von Martin Schläpfer, in der Deutschen Oper am Rhein. Mich fasziniert immer wieder die immense Kraft des Zusammenklangs von Musik, Ausdruck, Tanz, Bühnenbild und Kostüm.

3. Kulturbetriebe stehen unter großem Druck: Sie werden nach Besuchszahlen gemessen, die öffentlichen Gelder werden immer mehr gestrichen und gleichzeitig sollen sie ihre alten Strukturen über Bord werfen und wettbewerbsfähig sein. Was ist Deiner Meinung nach der entscheidende Faktor für Kulturinstitute, um in den nächsten 50 Jahren zu bestehen?
Der Erhalt einer vielfältigen Kulturlandschaft lässt sich nicht auf einen entscheidenden Faktor reduzieren. Ich glaube, einen wichtigen Anteil hat neben kulturpolitischen Entscheidungen die Fähigkeit der Kulturinstitute, sowohl eigenen wissenschaftlichen Visionen zu folgen als auch gleichzeitig Besucherorientierung zu leben. Dies schließt sich nicht aus, sondern ergänzt sich.

4. Für welches Kunstwerk oder Kulturerlebnis würdest Du viel Geld ausgeben?
Ich genieße Kunst gerne vor Ort, z.B. in den Museen und Ausstellungshallen. Ein blaues Schwammrelief von Yves Klein in den eigenen vier Wänden hängen zu haben, ist dennoch eine reizvolle Vorstellung.

5. Wenn Du einen einzigen Wunsch frei hättest, was würdest Du am Kultursystem verändern?
Das System der Befristung für eine große Zahl an Beschäftigten. Über Volontariate werden häufig die Aufgabenfelder von ganzen Stellen abgedeckt, ohne dass die engagierten Volontäre/innen eine Chance auf weitere Beschäftigung haben. Dramatisch ist es auch bei zeitlich befristeten Verträgen vieler Kulturschaffender, die eine mittel- oder langfristige Planung und Arbeit unmöglich machen.

Herzlichen Dank, Dr. Nadine Oberste-Hetbleck

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