Das MAS der Dinge: Ein Museum, wie es sein sollte – das Museum aan de Stroom.

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Ein Wochenende in Antwerpen. Ideen tanken auf der Kloosterstraat (Warum habe ich eigentlich kein Loft, das ich hier einrichten kann?), richtig gut essen in der Fiskebar (Auf jeden Fall das Kartoffelstampf probieren!) – und ach ja, da gab es doch auch noch dieses rote Museum? Hin ohne Erwartungen. Raus mit einem Rucksack voller Ideen. Denn das MUSEUM AAN DE STROOM begeistert nicht nur mit einem tollen Ausblick über eine unglaublich junge und kreative Stadt, sondern auch mit richtig guten Ideen für Kulturkommunikation. Von Stockwerk zu Stockwerk entdecken wir das Haus. Museum und Bildung, Ausblick und Weitblick, Kultur und Kommunikation werden fast spielerisch eins.

Das Museum an der Schelde eröffnete 2011 und beherbergt mehrere Sammlungen von inzwischen geschlossenen Antwerpener Museen. Unter anderem die des Ethnografischen Museums, des Nationalen Schifffahrtsmuseums, des Volkskundemuseums und Teile der Sammlung des Museum Vleeshuis. Um so erstaunlicher, dass bei der Vielfalt an Themen ein einziges Konzept entstehen konnte, das einfach Spaß macht.

Jedes Stockwerk wird zum Teil einer Geschichte.
Für insgesamt fünf Themen unter dem Leitgedanken “Die Stadt, der Strom, die Welt”, hat man sich entschieden. Jedes Thema beleuchtet die Verbundenheit der alten Hansestadt mit der Welt und anders herum. Gemeinsam erzählen alle Themen eine einzige Geschichte. Mit einem wirklich faszinierenden Besuchererlebnis. Denn die liebevolle Ausstellungsarchitektur und -hängung lassen einen mal hier und mal dort immer wieder in kleine Teile der großen Geschichte eintauchen und die Zeit wie im Flug vergehen.

Am Ende jedes Rundganges werde ich quasi zum “rezipierenden Mitmachen” eingeladen.
So schreibe ich eine Flaschenpost, die ich für andere Besucher in einem Meer aus Sand schwimmen lasse, übe mich als Matrose in Seemannsknoten und werde so irgendwie Teil dieses ganzen Hauses. Neben den vielen Angeboten zum Mitmachen überrascht das Haus immer wieder mit neuen Eindrücken: Ein dunkler Gang – wir sind wie blind – und stehen plötzlich in einem Meer aus Lichtstrahlen, die matrixmäßig Daten auf uns werfen. Mittendrin. Einige Meter weiter rieche ich an Teesorten, kleine LED-Beamer werfen mir zu einzelnen Exponaten immer wieder Informationen entgegen, Minidisplays tuen gleiches an anderer Stelle. Viele Objekte sind mit QR-Codes versehen und zwischen den Stockwerken machen Installationen und großformatige Bilder immer wieder neugierig.

Nach etlichen Rolltreppen genießen wir den Weitblick.
Ganz oben auf dem Dach des Museums – mit einem herrlichen 360 Grad Panoramablick über Stadt, Hafen und viele gute Ideen – bleibt Zeit zum Verschnaufen. Und der Gedanke, dass so eigentlich jedes Museum sein sollte.

Reisetipps: Ein Wochenende Lebenslust in Antwerpen.
Ich habe Antwerpen unterschätzt. Aber die Stadt an der Schelde hat anscheinend mehr zu bieten als Rubens und Diamanten. Rund um die Kloosterstraat können sich Innenarchitektur- und Designbegeisterte von Lädchen zu Lädchen treiben lassen und neben außergewöhnlichen Wohnideen, Kunst und Mode auch viele kleine skurrile Dinge entdecken. Gleich um die Ecke am Marnixplaats lassen sich in der Fiskebar wunderbar einfach gute Fischgerichte und die exzellente Weinkarte genießen. Wer hier keine Reservierung mehr bekommt oder einfach keinen Fisch mag, klopft gleich eine Tür weiter bei Lucy Chang. Die original Pekingente mit Pfannkuchen ist hier Genusspflicht. Genau so wie ein gutes belgisches Bier oder wahlweise der grüne Tee im Stromkabelkännchen. Gewohnt habe ich etwas weiter weg im Hyllit Hotel. Das war ok. Wer mit weniger Pool und mehr Individualität liebäugelt, ist auch hier wieder gut am Marnixplaats aufgehoben und bucht sich in eine Soulsuite ein.
Kulturellen Hochgenuss versprach bei meinem Städtetrip Anfang März auch das Museum van Hedendaagse Kunst MHK. Die Kathedrale mit ihren Rubenswerken lohnt einen weiteren Besuch, ebenso wie das Rockoxhuis, in dem Teile der Sammlung des Königlichen Museums der schönen Künste KMSKA (leider bis 2017 geschlossen) zu sehen waren.

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